Der regionalen Wertschöpfung auf der Spur

16.11.2018 08:33:47 | Volkswirtschaft Berner Oberland
Das Wirtschaftstreffen Berner Oberland 2018, organisiert von der Volkswirtschaft Berner Oberland in Zusammenarbeit mit den grossen Wirtschaftsverbänden der Region, nahm sich dem Thema der regionalen Wertschöpfung an: Angefangen beim Tourismus über regional und international tätige Unternehmen bis hin zum Energielieferanten: Fünf Referenten beleuchteten die regionale Wertschöpfung aus verschiedenen Blickwinkeln.




















Tourismus – dieses Stichwort kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man an die Wertschöpfung im Berner Oberland denkt. Doch was bedeutet eigentlich die touristische Wertschöpfung für unsere Region? Welche Faktoren beeinflussen sie? Diese Fragen beantwortete Dr. Monika Bandi Tanner, Leiterin Forschungsstelle Tourismus, Universität Bern, am Wirtschaftstreffen Berner Oberland im Jungfrau Park in Matten. 

Protektionismus ist nicht erfolgreich

«Solange ein Franken in der Region bleibt, wird er multipliziert», sagte Bandi Tanner. Wer lokale Lieferanten und regionale Partner berücksichtigt sowie bei den Angestellten auf einheimische Kräfte setzt, stärkt die Wertschöpfungskette. Aber nur solange er auch ein gefragtes Produkt mit entsprechendem Preis-/Leistungsverhältnis anbietet. Die Leiterin der Forschungsstelle Tourismus der Universität Bern warnte, dass ein übertriebener regionaler Protektionismus langfristig nicht zum Erfolg führt. 

Langfristige Entwicklung der Wertschöpfung

Der Tourismus ist eine globale Wachstumsbranche, das ist unbestritten. Aber wird das Berner Oberland mit der jetzigen Aufstellung auch noch weiterhin profitieren können? Monika Bandi Tanner zeigte Entwicklung des wichtigen Wirtschaftszweiges während den vergangenen Jahren auf. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zwar legte die touristische Wertschöpfung im Berner Oberland in den vergangenen Jahren weiter zu – aber nicht im gleichen Ausmass. Die Nachfrage nach Städteurlaub ist wesentlich grösser und bei einer Reise ins Berner Oberland kommen wertschöpfungsschwache Übernachtungsangebote, wie etwa Ferienwohnung oder die Übernachtung bei Verwandten und Bekannten, eher zum Zug als Hotels. Ein weiterer Faktor ist die steigende Zahl an Tagesgästen: «Man muss sich einfach bewusst sein: Ein Gast, der einen Ort schnell erreicht, ist auch schnell wieder weg», so Bandi Tanner. 

Changemanagement und neue Konzepte

Die Zukunft des Tourismus im Berner Oberland nur durch eine rosarote Brille zu sehen, ist falsch. Es werden in naher Zukunft einige Herausforderungen auf die Touristiker und Gastgeber zukommen. «Es braucht neue Denkmodelle und ein Changemanagement an der Basis, wenn es um den Erhalt der touristischen Wertschöpfung geht», fasste Monika Tanner Bandi zusammen. Das bedeutet auch, dass bisherige touristische Entwicklungen kritisch beobachtet werden sollen und es neue Konzepte braucht, um die Gäste in unsere einzigartige Region zu holen und auch hier zu halten.

Spannende Einblicke in regionale Firmen

Den zweiten Teil des Wirtschaftstreffen Berner Oberland bestritten lokale Unternehmer. Sie gaben in vier Kurzreferaten einen Einblick in ihre Firmen und Organisationen und erklärten, was sie zur Wertschöpfung in der Region beitragen. Urs Reinhard, Geschäftsführer H&R Gastro AG, zeigte auf, dass seine Firma stark im Berner Oberland verankert ist und eine enge Beziehung zu seinen Kunden pflegt. Regionale Produkte sind beim Gastrozulieferer aus Interlaken eine Selbstverständlichkeit und gemeinsam mit Kunden werden Konzepte zur Stärkung der Wertschöpfung in der Region entwickelt und umgesetzt. Bei der Wandfluh AG, Frutigen, ist es unter anderem die «verlängerte Werkbank», das Auslagern gewisser Produktionsschritte an Unternehmen in der Region, die die Wertschöpfung stärkt. Matthias Wandfluh, CEO Wandfluh Hydraulik + Elektronik, sprach mit Begeisterung von der «global reach» und dem «local touch», den er in seiner Firma tagtäglich erlebt. Dabei ist für ihn ein partnerschaftliches Verhältnis zentral. Weitere interessante Einblicke in die regionale Wertschöpfung boten Michael Gruber, welcher bei der Energie Thun AG bei Investitionen und Innovationen auf regionale Betriebe und Partnerschaften setzt und Nationalrat Erich von Siebenthal, der über die Wertschöpfungskette Holz informierte und aufzeigte, wie gemeinsam ein Rohstoff besser positioniert werden und damit eine ganze Region davon profitieren kann.

Wirtschaftstreffen Berner Oberland
Das Wirtschaftstreffen Berner Oberland wird jährlich im November von der Volkswirtschaft Berner Oberland durchgeführt. Der Wirtschaftsanlass wird von den Planungsregionen und den grossen Wirtschafts- und Gewerbeverbänden im gesamten Berner Oberland unterstützt.

 Medienmitteilung Wirtschaftstreffen Berner Oberland 2018 (Word, 31 KB)

 Medienmitteilung Wirtschaftstreffen Berner Oberland 2018 (PDF, 48 KB)

Bildergalerie Bildergalerie zum Wirtschaftstreffen Berner Oberland 2018

Präsentationen der Referenten

 Präsentation Monika Bandi Tanner (PDF, 26.3 MB)

 Präsentation Urs Reinhard (PDF, 780 KB)

 Präsentation Matthias Wandfluh (PDF, 7.6 MB)

 Präsentation Michael Gruber (PDF, 24 MB)

 Präsentation Erich von Siebenthal (PDF, 9 MB)

Bilder in Druckqualität

(herunterladen mit Klick auf das jeweilige Bild)

Monika Bandi Tanner, Leiterin Forschungsstelle Tourismus, Universität BernMonika Bandi Tanner, Leiterin Forschungsstelle Tourismus, Universität Bern

Urs Reinhard, Geschäftsführer H&R Gastro, InterlakenUrs Reinhard, Geschäftsführer H&R Gastro AG, Interlaken

Matthias Wandfluh, CEO Wandfluh AGMatthias Wandfluh, CEO Wandfluh AG, Frutigen

Erich von Siebenthal, Nationalrat & Präsident BEO HOLZErich von Siebenthal, Nationalrat & Präsident BEO HOLZ

Michael Gruber, CEO Energie Thun AGMichael Gruber, CEO Energie Thun AG