Jubiläum 100 Jahre - Volkswirtschaft Berner Oberland

Jubiläum 100 Jahre

1919 – 2019: Die Volkswirtschaft Berner Oberland darf auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Das Jubiläumsjahr hat die Organisation aber nicht nur für den Rück- sondern vor allem für den Ausblick genutzt: Damit der Wirtschafts- und Lebensraum Berner Oberland auch in Zukunft seine vielfältigen Stärken nutzen kann.

 
 

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: Aus diesen drei Blickwinkeln beleuchtete die Volkswirtschaft Berner Oberland am Festakt anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Organisation ihr Tun. Im Mittelpunkt standen dabei Unternehmer und Ehrenpräsident Peter Rychiger, der die Vergangenheit aufrollte, und die junge Projektleiterin Jolanda Küng, die einen Blick in die Zukunft wagte. Im Anschluss feierten die geladenen Mitglieder und Gäste gemeinsam auf dem Thunersee bei einer Rundfahrt mit der MS Berner Oberland.

Als Brückenbauer von der Gegenwart unterwegs in die Zukunft

«Selbsthilfe ist die feste Grundlage für das Wohlergehen des Einzelnen und der Allgemeinheit.» Dieser Satz steht in der Jubiläumsschrift zum 25-jährigen Bestehen der Volkswirtschaft Berner Oberland und er noch heute seine Gültigkeit. Die Selbsthilfe war ausschlaggebend bei der Gründung der Organisation vor 100 Jahren – am 15. November 1919 im Hotel Kreuz in Interlaken – und die Selbsthilfe widerspiegelt sich auch heute in allen Projekten, die die Volkswirtschaft Berner Oberland anstösst und umsetzt. Der Steffisburger Künstler Gerhard Tschan führte humorvoll und musikalisch durch den Festakt, der von den Themen Vergangenheit und Zukunft geprägt wurde. Seine Einwürfe bildeten das Fundament des Berner Oberlands ab, sie beschäftigten sich mit den Säulen, auf denen die Region steht: Die Landwirtschaft, der Tourismus, die Wasserkraft und nicht zuletzt die knorrige und dennoch liebenswerte Persönlichkeit der Berner Oberländer – keine Schublade blieb unberührt und dennoch wurde kein Klischee wahrhaftig bestätigt.

Reise durch die Vergangenheit

Mit ernsthafteren Gedanken beschäftigte sich Peter Rychiger. Dem Unternehmer und Ehrenpräsident der Volkswirtschaft Berner Oberland kam die Aufgabe zu, die vergangenen 100 Jahre noch einmal Revue passieren zu lassen. «Beschäftigung mit der Vergangenheit ist gerechtfertigt, wenn sie uns für die Zukunft vorwärtsbringt», eröffnete er seine Festrede. Mit markanten und pointierten Aussagen führte er die rund 250 anwesenden Mitglieder und Gäste durch 100 Jahre Welt-, Schweizer- und Berner Oberländer-Geschichte. Rychiger zeigte auf, dass der Wille zur Selbsthilfe im Berner Oberland die Volkswirtschaftskammer, wie die Organisation sich früher nannte, schon immer geprägt hat. Die Veränderungen, die das Berner Oberland in den vergangenen 100 Jahren durchlebt hat, zeigen sich auch in der Volkswirtschaft Berner Oberland: «Das V für Volk ist kleiner geworden, das W für Wirtschaft gewachsen», so Rychiger. Der Verein sei aber in der Gegenwart, auf den Wegen in die Zukunft. Um das 200-jährige Jubiläum feiern zu können, brauche es aber noch mehr Mitglieder, mehr Anlässe und mehr Vernetzung. Und folgende drei Sätze müssten dabei aus dem Denken gestrichen werden: «Das hei mer no nie soo gmacht! Das heimer geng so gmacht! Da chönnt ja jede cho!»

Blick in die schnell nahende Zukunft

Dass es diese drei Sätze zu vergessen gilt, wenn sie auch nicht explizit erwähnt wurden, ging auch aus der Rede von Jolanda Küng hervor. Die junge Projektleiterin der Volkswirtschaft Berner Oberland wagte den Blick in die Zukunft und ging dabei auf die drei aktuellen Megatrends Konnektivität, Globalisierung und Digitalisierung ein. Mit anschaulichen Beispielen zeigte Küng, dass sich auch das Berner Oberland – so beschaulich unsere Region manchmal scheinen mag – weitgreifenden Entwicklungen nicht entziehen kann. «Meine Eltern betreiben im Simmental einen Hofladen. An ihrem Kühlschrank an der Hauptverkehrsachse kann man seit kurzem mit Twint bezahlen» erzählte sie. «Zugegeben, ich war skeptisch. Ist das Berner Oberland bereit für bargeldloses Bezahlen, in einem Hofladen beim Bauern nebenan?» Sie wurde eines Besseren belehrt. Dennoch ist Küng nicht der Meinung, dass die Region kopflos auf jeden Trend aufspringen muss: «Es sind nicht die Megatrends, die das Berner Oberland prägen werden, es sind die Brückenbauer.» Brückenbauer könne jeder sein, dazu brauche es weder eine akademische Ausbildung noch Wohlstand, einzig Sozialkompetenz.

Alle sind Brückenbauer

Als eine solche Brückenbauerin sieht Küng die Volkswirtschaft Berner Oberland. Denn die Herausforderungen des Wandels könne eine Region nur mit Vernetzung und Vermittlung packen. Dabei sprach sie ein Problem an, mit dem Organisationen im Bereich der Standortförderung oft konfrontiert werden: «Das Abbauen von Vorbehalten, das Vernetzen, das Schaffen vom gemeinsamen Verständnis, Aufklärungsarbeit, Wissenstransfer in die Regionen – das ist nicht sichtbar – wird nie sichtbar.»

Plädoyer für mehr Selbstvertrauen

Die Arbeit der Volkswirtschaft Berner Oberland und das Berner Oberland ganz generell in Zukunft noch sichtbarer zu machen, das ist auch ein Anliegen des Präsidenten, Jürg Grossen: «Überall gibt es Exportschlager aus dem Oberland – für die ganze Schweiz, oft auch fürs Ausland», sagte der Nationalrat aus Frutigen. «Wir brauchen noch mehr Selbstvertrauen, um unsere Qualitäten gegen Aussen zu zeigen.» Ob es sich nun um innovative Firmen oder zukunftsweisende Projekte in Tourismus, Kultur und Landwirtschaft handle, allgemein müssten diese Errungenschaften mehr kommuniziert und stärker betont werden. «Das sehe ich als Aufgabe der Volkswirtschaft Berner Oberland.» Zudem gelte es die Zusammenarbeit für konkrete politische Einflussnahme in oberlandspezifischen Angelegenheiten über die Parteigrenzen hinaus weiterzuführen und zu intensivieren. « Wir bleiben voll motiviert und mit ebenso viel Herzblut und Engagement für unser Oberland dran!»

Ausklang auf dem Schiff

Im Anschluss an den Festakt wurde gefeiert: Passend zum Anlass stach die Festgesellschaft mit der «MS Berner Oberland» in See. Bei einem Buffet mit Oberländer Spezialitäten und musikalisch vom Schwyzerörgeliquartett «Silberhorn» begleitet, genossen die Mitglieder und geladenen Gäste eine Thunersee-Rundfahrt inklusive Berner Oberland-typischer Postkarten-Abendstimmung. Zum Abschluss gab es für alle Teilnehmenden noch eine Tragetasche – bedruckt mit dem Jubiläumslogo der Volkswirtschaft Berner Oberland - voller Berner Oberländer Spezialitäten mit auf den Heimweg.